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Donnerstag, 25. September 2014

Die alte Liebe - Mehr ein Gefühlsausdruck als eine Rezension (ASP - 'Per Aspera Ad Asprera')

Mittwoch, 24.09.2014, gegen 12 Uhr. Ich habe frei, und als notorischer Langschläfer liege ich noch im Bett. Doch dann klingelt es an der Tür, schlagartig werde ich wach, springe auf und zur Tür. Es ist der Paketbote, und er überreicht mir ein Paket. "Herz und Verstand Merchandising" steht als Absender auf dem Etikett. Es ist das neue Best-of-Album von ASP, von der Band lieber "Werkschau" als "Best-Of" genannt, und unter dem Titel "Per Aspera Ad Aspera" (Frei Übersetzt: Durch das Raue in das Raue) geführt. Eigentlich kann man ein Best-Of-Album, Pardon, eine Werkschau nicht mit einer solchen Spannung erwarten. Allerdings ist man als ASP-Fan verwöhnt, dazu gehrt auch, dass man die CD bereits am 24. in den Händen hält, wenn sie eigentlich erst am 26. erscheint. Ich freute mich auf die unveröffentlichten Bonussongs auf CD 3, die nur der Limited Edition beiliegt (Aber auch für 10€ gedownloadet werden kann).

Für mich entdeckt habe ich die Band erst im Jahr 2008. Die Band bestand natürlich vorher, aber mein Gott, ich war damals erst 15, da fängt man gerade erst an, so etwas wie "Gute Musik" für sich zu entdecken. Damals hatten wir Kuchen gegessen, da ich Geburtstag hatte, und aus irgendeinem Grund lief im Wohnzimmer das frisch erschienene "Zwischenalbum" "Zaubererbruder" von ASP, und ich begann mich zu interessieren. Es war allerdings nicht das erste mal, dass ich Songs von ASP hörte. "Sing Child" und  "Ich will Brennen" kamen mir lange vorher zu Ohren, wurden von mir aber nicht so recht wahrgenommen. "Zaubererbruder" klang anders. Ich begeisterte mich damals für Mittelalter-Rock und Folk-Rock, und die stark Folk-lastige Inszenierung von Zaubererbruder, eine Vertonung der Krabat-Sage, schlug da genau in meine Kerbe. Von diesem Ausgangspunkt klickte ich mich bei YouTube durch Songs der band, einige gefielen mehr, andere weniger. Bald besuchte ich das erste Konzert, ASP waren auf Akustik-Tour, und spielten auch im nahen Osnabrück. Mehr Songs der Band wurden entdeckt, und auch der Humor des Frontmanns und Masterminds Asp (Alexander Spreng). Die nächste Veröffentlichung der Band, Akoasma, ein Live-Album von der letzten Rock-Tour, noch im selben Jahr erschienen, wurde schließlich gekauft.

Mit dem Paket in den Händen ging ich ins Wohnzimmer, das Album schnell ausgepackt. Ich bewunderte die wertige Aufmachung, legte die Bonus CD in den Player, die eigentliche Werkschau rückte bei der Vorfreude auf neuen Input in den Hintergrund. Während der erste Song "Man of Constant Sorrow" zu spielen begann, blätterte ich mich durch das Artwork. Aufwändiges Artwork ist eine Tradition der Band. bei der Werkschau wurde zu (fast) jedem Song ein neues Artwork gezeichnet, gestaltet von Timo Würz, der unter anderem schon für Marvel, DC Comics und Disney gearbeitet hat. Mit einem besonderen Lächeln stieß ich auf das Artwork zu Biotopia, ein Song über die wachsende Entfremdung zwischen den Menschen. Das Artwork zeigt ein bekanntes Bild, Menschen, die einsam auf einem Felsen im Meer sitzen, alleine, umgeben von weiteren Felsen, besetzt von weiteren, einsamen Menschen. Auf ihren Körpern tragen sie Stacheln, und ein paar zerstochene Flügel. Ein Bild, das direkt aus dem Songtext entlehnt ist. Bemerkenswert vor allem deswegen, weil dieses Artwork eigentlich schon für das 2007 erschienene Album "Requiembryo" geplant war, aber nie umgesetzt wurde. Es entstand lediglich eine Skizze, zu sehn im Buch "Horror Vacui".

"Man of Constant Sorrow" ist eigentlich ein US-Amerikanisches Traditional, passt aber wie die Faust aufs Auge zu der Band, die oft mit Rückschlägen zu kämpfen hatte. Im Jahr 2003 floppte das 3. Album der Band "Weltunter", der dritte Teil der Schmetterligns-Saga, durch die Pleite des unabhängige Vertriebs EFA. Das Label bei dem die Band veröffentlichte, Trisol, wurde unmittelbar getroffen durch die Vertriebsinsolvenz und sah sich in finanziellen Nöten. Die Reaktion war eine Veröffentlichungsoffensive, bei der das Label auch ein Best Of ("Interim Works Compendium") der damals noch Jungen Band ASP veröffentlichte - ohne die Einwilligung der Band. Die Band kündigte darauf ihren Plattenvertrag, dennoch werden bis Heute alle ASP Alben bei Trisol veröffentlicht, Jahre lang geschah dies nur mit einem Handschlag-Vertrag. Im Jahr 2011 kam es vor der Produktion des 7. Studio Albums ("fremd") zum Bruch innerhalb der Band, als Mitbegründer und Gitarrist Matthias Ambre die Band nach 12 Jahren verließ. Später verließ auch Drummer Oliver Himmighofen die Band. Es war nicht der erste Bruch mit einem Weggefährten. Trotz oder gerade wegen diesem Umbruch in der Band wurde das Album ein voller Erfolg, und wird von Fans bisweilen als Meisterwerk benannt. Heute ist die Band ein, wenn nicht das Zugpferd von Trisol, das zuletzt erschienene 8. Album "Maskenhaft" kletterte auf Platz 8 der Deutschen Albumcharts. Ein beachtlicher Erfolg für die Nischenband ASP.

2008 war die Zeit kurz nach der Trennung meiner Eltern. Rückblickend litt ich damals an Depressionen. Nachdem ich über "Zaubererbruder" die Band für mich entdeckte, stieß ich bald auf das eigentliche Kunstwerk der Band. Der Liederzyklus des Schwarzen Schmetterlings, erschienen zwischen 1999 und 2007 auf 5 Alben*, eine musikalische Erzählung, die die Spielzeit von Pink Floyds "The Wall" um etwa 7 Stunden übertrifft. Gerade wegen dem Schatten, der damals auf meinem Leben lag, fiel es mir leicht, mich in diesen Songs wieder zu finden, die Songs sollten zu einer Art Soundtrack meines lebens werden, und noch heute fühle ich ein Gefühl von Heimat, wenn ich Songs wie "Die Ruhe vor dem Sturm", "Die Ballade von der Erweckung" oder "Der Schwarze Schmetterling" höre. Songs wie "Schwarzes Blut" sind nach wie vor ein Trotzschrei in Problembehafteten Zeiten.

"Ich lebe immernoch, Immernoch!
Ich gebe immernoch, Immernoch!
Und ich taumel weiter:
VORWÄRTS, ABWÄRTS!..."

Die CD spielt weiter, auf "Man of Constant Sorrow" folgt "Sündige Heilige", ein weiterer neuer Song. Er soll eine Art Jubiläumshymne für die Band werden. Kein schlechter Song, aber an Hymnen mangelt es ASP nun wirklich nicht. Das bereits erwähnte "Schwarzes Blut", "Der Schwarze Schmetterling", "Sing Child", "Werben"... und allen voran "Ich will Brennen". Ein Song, der letztendlich darüber handelt, dass man über sich hinauswächst, sich selbst überwindet, die eigenen Ängste hinter sich lässt. "Und wenn du meinen Namen morgen schon vergisst...". Wenn man nach einem ASP Konzert eine Zugabe will, ruft man nicht "Zugabe", man ruft "Wir wollen brennen!".

Auf der Werkschau sind auch einige Tributes von anderen Bands an ASP zu finden, gewissermaßen Geburtstagsgeschenke. The 69 Eyes covern "Sanctus Benedictus", Eisbrecher covern "Schwarzes Blut"... ASP selbst hinterlaßen allerdings mit einer Live-Aufnahme des Songs "I don't wanna be me", im Original von Type O Negative, ein Tribute auf ihrer Werkschau. Für Asp eine Verneigung vor einem Idol, dem 2010 verstorbenen Peter Steele. Das Album "fremd" war ihm gewidmet.

Auf die Dauer wurde Asp, bürgerlich Alexander Spreng, für mich zu einem Idol, einem Lieblingsdichter.  Er schaffte es mit jeder neuen Veröffentlichung, einen Nerv bei mir zu treffen. Die Werke der Band sind ein Dreiklang aus Artwork, Musik und Text, und bei kaum einer Band ist der Text so enorm wichtig, wie bei ASP. Die Alben der Band sind zusammenhängende Geschichten, mit einem breiten Deutungsspektrum und versteckten Stilmitteln. Den Schwarzen Schmetterling sollte ich schließlich für meine Facharbeit in der Oberstufe analysieren. Bei all der Liebe zur Musik darf man nicht unerwähnt lassen, dass Asp Spreng auch ein herausragender Lyriker ist. Texte wie "Das Minnelied der Incubi" oder "Panik" sind handwerkliche Meisterleistungen, die Versverschränkung in "Panik" habe ich in dieser Qualität noch nie irgendwo gesehen. Die Qualität der Asp'schen Texte wird deutlich, wenn man die Texte ohne Musik einfach laut liest. "Die Ballade von der Erweckung" muss sich vor Goethes Zauberlehrling und Poes Raben nicht verstecken.

Der letzte Bonussong auf der Werkschau ist "All die vielen Jahre", den Asp mit Vincent Sorg ohne den Rest der Band produzierte. Ein Song über Enttäuschungen auf dem Lebensweg, und über den Eindruck auf diesem das ein oder andere mal falsch abgebogen zu sein. Bei der Hörprobe proklamierten einige, ob jetzt die "Grafisierung" von ASP drohe, ein Seitenhieb auf die Band Unheilig, die ursprünglich aus der selben Szene wie ASP stammt, aber mittlerweile von vielen aus eben jener Szene kritisch beäugt wird, wegen ihres Vorstoßes in den Mainstream. Tatsächlich bewegt sich "All die vielen Jahre" klanglich irgendwo zwischen Deutschrock und Neue Deutsche Welle, ist aber wie immer ganz großes Kino. Einmal mehr schafft es Asp Zeilen zu schaffen, die mir aus der Seele sprechen. "So viele Jahre warst du nicht mehr als ein trauriges Gespenst" ist eine Zeile, die jemanden wie mich, jemanden, der Probleme hat sich anderen Menschen gegenüber auszudrücken, der kaum Nähe zu anderen aufbauen kann, unvermittelt trifft. Bei dieser Zeile wurde mir meine alte Liebe zu ASP deutlich, wie keine andere Band schaffen ASP es, Songs zu schaffen, mit denen ich mich identifizieren kann, in denen ich mich wiederfinde, und letztlich heimisch fühle. Dies gipfelte letztes Jahr, als ich den Song  "Wanderer" zum ersten mal hörte. Ich weinte. ASP hatten unfreiwillig mein Selbstbild vertont.

Zum Schluss bleibt mir zu ASP nicht mehr viel zu sagen. Ich bedaure es sehr im Oktober bei der Jubiläumstour nicht dabei sein zu können, ASP Konzerte sind immer intensiv, eine Achterbahn der Gefühle. Ich möchte diesen Eintrag schließen, in dem ich einfach Danke sage.

Danke ASP. Für alles.



*In der korrekten Reihenfolge: "Hast du mich vermisst?" - ":Duett" - "Weltunter" - "Aus der Tiefe" - "Requiembryo"

Sonntag, 2. Februar 2014

Als ich los fuhr

Als ich los fuhr, war alles noch anders.
Ich war nichts anderes als eine verletzte Seele auf der Suche nach einem neuen Horizont, in der Hoffnung dort irgendetwas zu finden, das Heilung brachte, und Meile um Meile, Schritt um Schritt erspann ich Gedanken von einer besseren Welt, Zeile um Zeile schrieb ich mir mein morgen, und mit jedem Wort das ich las fand ich mich in einer ein wenig besseren Welt wieder.

Als ich los fuhr, war alles noch anders.
Ich weiß nicht mehr so ganz, an wie vielen Orten ich noch war, aber ich war dort immer mit Freude, und ich war froh über jeden Menschen, der mir dort begegnete. Ich war nichts als eine verletzte Seele auf der Suche nach Heilung, und es schien mir, wenn überhaupt fand ich sie hier. Und Meile um Meile, Schritt um Schritt erspann ich mir Gedanken von Gemeinschaft, von Gleichen unter Gleichen, die alle mit Wörtern stiegen und fielen, und am Ende waren es dann nur Anekdoten und gemeinsame Biere, und mit jedem Wort das ich wechselte fand ich mich in einer besseren Welt wieder.

Als ich los fuhr, war alles noch anders.
An manchen Abenden trug ich Tränen in den Augen, aus Freude. Ich war froh über das was ich tat, ich war nichts als eine verletzte Seele, die aus ihrem Leben las, und ich war froh über jeden gleichen, der mir über den Weg lief. Am Ende sind wir alle nur Geschichten, dacht ich, und denke ich noch heute, und wenn sich unsere Geschichten ineinander verwoben, dann war es schön, dann war es eine besonders Kunstvolle Stelle in einer Geschichte.

Als ich los fuhr, war alles noch anders.
Ich war nichts als eine verletzte Seele auf der Suche nach einem neuen Horizont. Und unterwegs, da fand ich Brücken über die Schluchten die die Narben auf meiner Seele waren, und die Mut, sie zu übertreten. Und Wort und Wort spann ich diese Brücken weiter, immer breiter, bis sie irgendwann die ganzen Schluchten verdeckten, und Zeile um Zeile wanderte ich auf diesen Wunden in der Idee, dass sie sich schlossen, und Satz um Satz sponn ich weitere Fäden über diese Narben und bedeckte sie Gedanke um Gedanke mit einer Hülle.

Als ich los fuhr, war alles noch anders.
Ich war nichts als eine verletzte Seele versponnen in einem Kokon aus Gedanken und Wörtern, die sich teils der Seele entfernten, und ich erkannte zu spät, dass ich nichts war, als eine verletzte Seele in einem Kokon, die zu spät erkannte, dass die Wunden nur verdeckt waren, und nicht verschlossen. Und mit jeder Zeile literarischen Fadenmauerwerks um meine Seele fand ich mich mit meinen Gedanken alleine wieder, während meine Worte wandern gingen. Während ich mich dort verlief, verliefen sich meine Worte in der Welt, und ich mit ihnen, und ich fand auch hier und da menschen, bei denen ich nicht mehr gleicher unter gleichen war, sondern viel eher jemand, der bestenfalls da war, kaum der Rede wert war und damit in offene Wunden traten. So schien es mir, denn unterwegs fand ich Menschen, die tatsächlich teils bewusst in diese Wunde traten, und gefühlt fand ich mich ehe ich mich versah in der Schlucht statt auf der Brücke wieder.

Als ich los fuhr, war alles noch anders.
Ich bin nichts als eine verletzte Seele auf einem schmalen Grad zwischen Gefühlter kraft und gefühlter Verlorenheit. Und während ich mich auf diesem Weg verlief, der mir doch als der richtige scheint, bleibt der Gedanke, dass ich manchmal auf diesem Weg nur zu gerne hören würde, schön, dass du diesen Pfad gewählt hast, dass ich ganz gerne mal wieder fühlte ich sei Gleicher unter Gleichen und nicht irgendwer, dass ich gerne mal wieder dachte meine Wunden wären geschlossen und dass nicht irgendwer wieder hineintritt.

Als ich los fuhr, war alles noch anders.
Ich bin nichts als eine verlorene Seele, die sich über jeden Menschen freut, den sie erkennen durfte, über jeden, der mich sah.

Und das ich los fuhr, bereue ich keine Minute.

Donnerstag, 30. Januar 2014

"Du fehlst"

Durch einen eigenartigen Zufall schlägt die Autovervollständigung meines Handys nach dem Wort "Du" immer das Wort "fehlst" vor. Durch einen eigenartigen Zufall ist der Gedankengang "Du fehlst" ein beeindruckender Teil meines Lebens geworden, gewisser Maßen ist dieser Gedankengang eine Allgegenwärtigkeit, da es fast immerirgenjemanden gibt, der mir gerade fehlt. Fehlen ist ein weites Feld, jemandem fehlen auch, vermute ich. faszinierender Weise haben die Worte "Du" und "fehlst" in einer anderen Kombination, so ziemlich genau in dem Satz "Irgendwie fehlst du mir", der wohl bis in alle Ewigkeiten irgendwie in mir eingebrannt ist, eine Schlüsselrolle in meinem Leben gespielt und sind ein wichtiger Teil der Ursache, wegen der ich heute bin, wer ich bin, aber das ist eine Andere Geschichte.

Es ist ein durchaus faszinierendes Phänomen, dass ich in Nächten wie diesen immer wieder Zuhause hocke, und mir denke, wie schön es jetzt wäre, wenn eine bestimmte Person genau jetzt durch meine Tür käme. Die Worte "Du fehlst" treffen es da ziemlich gut. Ein gutes Beispiel dafür ist jetzt, wo ich gerade bei mir Zuhause in meinem Zimmer hocke, das eigentlich eher ein Wandschrank ist, ich glaube Harry Potter hatte mehr Quadratmeter unter der Treppe, aber ich sehe keinen Grund mich darüber zu beschweren, und mir denke, we wundervoll es wäre würdest du jetzt durch diese Tür kommen, und wir würden zu zweit in diesem Wandschrank hocken.Du würdest dann entweder einfach da sein, was schon schön genug wäre, oder wir würden reden, oder kuscheln, ich mag das, oder wir kuschelten und reden. Oder vielleicht würden wir ein gutes Glas Wein trinken und einen Anspruchsvollen Film gucken, so etwas fände ich unheimlich schön. Eigentlich, eigentlich wäre mir der Film egal, den wir zusammen gucken würden, denn hauptsache wär, dass du da bist, u7nd wir den zusammen gucken, und der Wein könnte dann auch ruhig aus dem Tetrapack kommen, das wäre mir dann ausnahmsweise mal egal. Wir würden dann beide wie doof selig lächeln, und vielleicht würden wir uns dann ansehen, und ich würde dir dann eine Strähne deines Haars aus dem Gesicht wischen, ganz vorsichtig mit der Hand, und dann würde ich dich Küssen. So etwas wollte ich schon immer mal machen.

und wäre unser Leben ein Film, würden wir dann raus gehen, und es würde regnen, und wir würden dicht an dicht tanzen, auch ohne Musik, denn die Musik würde aus unser beider Herzen direkt zu uns dringen, und wir würden einfach dazu tanzen, als gäbe es kein morgen, und keine Erkältung, wenn wir völlig durchnässt im Regen miteinander tanzen.  und wäre unser Leben ein Film, würdest du dabei ein wudnerschönes Kleid tragen, und ich den besten Anzug tragen, den ich im Schrank hätte, und beides wäre danach vollkommen ruiniert, weil wir draußen im Regen tanzen, aber das wäre uns egal, denn wir hätten ja uns, und das wäre das Wesentliche.Und dann würden wir unsküssen, aus dramaturgischen Gründen, und wäre unser Leben ein Film, käme dann der Abspann, denn dieser moment wäre Perfekt, und der Film deswegen zu Ende. Und wäre das Leben kein Film, aber das alles würde trotzdem passieren, dann würde das Leben mit uns weiter gehen, und es wäre Großartig.

Aber du kommst nicht durch diese Tür, nicht jetzt, und vielleicht nie. Denn durch einen eigenartigen Zufall in meiner Natur und vielleicht auch in der Natur der Gesellschaft, kann ich dir nicht mitteilen, dass ausgerechnet du mir fehlst, und durch einen eigenartigen Zufall kann ich nicht mal den Weit im oberen Absatz präzisieren, weil du dann ja wüsstest, dass ich dich meine. Und deswegen, ja deswegen sitze ich heute Nacht und wohl auch noch in weiteren Nächten in meinem Wandschrank, und denke über die Worte "Du fehlst" nach, und komme zu dem Schluss, dass ich bezüglich heute Nacht mein zweieinhalb Jahre jüngeres Ich zitiere: Das Wesentliche? Du fehlst mir.

Montag, 25. März 2013

Eine dieser Nächte...

Heute ist mal wieder eine dieser Nächte, in denen ich nichts so recht mit mir anzufangen weiß, und mein Kopf sowieso nur denkt, was er will. In solchen Nächten denke ich zu viel, und selbst das schreiben fällt schwer. Ursprünglich war das schreiben mal ein Ordnungsprozess für mich, in den letzten Wochen hatte ich das Gefühl, dass dies ein wenig verloren ging. Zwar schrieb ich trotzdem, aber das was dann da auf dem Papier blieb war nicht weniger wirr als das in meinem Kopf, und es halt nicht, irgendwelche Orientierungspunkte in meinem Kopf zu finden.
In Nächten wie dieser Zweifel ich viel, an allem, meinen Gedanken, meinen Gefühlen, meinen Leben. Ich weiß nicht, ob das noch normal ist, wenn man in einer solchen Nacht soviel zweifelt, oder ob das dann vielleicht doch nur ein leichter Überschuss an Selbstreflexion ist. Aber mein Koipf behauptet stumpf und fest, dass mir ohnehin keine andere Wahl bleibt, also zweifeln wir eine Runde.
Zweifeln wir an meinen Gedanken. Das fällt so wunderbar leicht, weil ich so vieles, was ich denke ohnehin anzweifel. Es gibt Menschen, die glauben mir das nicht, aber ich bin eigentlich ein ungeheuer unsicherer Mensch, ich bin nicht so selbstbewusst, wie viele glauben. Ich seh mich oft leider gezwungen, jeden Plan, den ich habe noch mindestens einmal zu überdenken, bei wichtigen Entscheidungen ist das dann natürlich noch viel extremer. Es entsteht ein regelrechtes Chaos in meinem Kopf, ich kann dann nicht mehr schlafen, und wenn doch, träume ich nur wirr. In solchen Zeiten müsste ich eigentlich über Tage regungslos im Bett liegen und einfach nur denken, damit jeder Gedankenstrang fein säuberlich aufgewickelt neben einem anderen liegt. Aber das geht nicht, ich ertrage mich dann selbst meistens gar nicht entsprechend lange, und versuch mich irgendwie abzulenken. Was dann meist gar nicht mal so funktioniert.
Zweifeln wir an meinen Gefühlen. Das mache ich ja ohnehin so oft. Es fällt mir schwer, Gefühle für menschen in meinem Kopf festzufassen, weil mein Gehirn leider bei der geringsten Aussicht auf Enttäuschung Spielchen mit mir spielt und Fluchtwege aufbauen will. Das macht dann meistens eher mehr kaputt, als dass es hilfreich ist. Seien wir ehrlich: Ich habe mittlerweile eine erhebliche Angst vor Enttäuschung in diesem bereich aufgebaut, und eine gewisse Angst vor Verlusten, dass kommt einfach von Geschichten die mir in der Vergangenheit passierten.Das wirklich faszinierende bei mindestens einer von diesen ist: ich kann die nicht antasten, ich kann da nichts raus ziehen, keine kreativität draus gewinnen, nicht mal für mich selbst darüber schreiben. Da blockiert in mir alles. Wenn ich ehrlich zu mir selber bin, dann muss ich zugeben, dass ich diese Geschichte bestenfalls in Ansätzen verarbeitet habe, sie hängt immer noch über mir wie der Felsbrocken über Tantalus' Kopf, und kommt in nächten wie diesen gerne mal raus und verhagelt mir die Stimmung, zumal ich ja auch noch so doof war, dieser Geschichte selbsttätig ein Denkmal zu bauen. Und daraus resultieren diese Ängste, wenn man einmal tief verletzt wurde, weiß man nicht, inwiefern man weitere stiche aushalten kann, deswegen versucht man, diese überhaupt erst zu vermeiden, und macht sich damit letztenendes das Leben nur noch schwerer. Ein Teufelskreis. Es hat halt jeder so sein Päcken zu tragen...
Zweifeln wir an meinem Leben. Eigentlich ist das gar nicht mal so schlecht. Ich habe gerade die Schule hinter mich gebracht, bald die Abi-Prüfungen, und bald zieh ich von zuhause aus. Daneben darf ich immernoch als Slammer in andere Städte reisen, und tolle, einfach wudnerbare neue Menschen kennenlernen.Was möchte man mehr? Und trotzdem zweifel ich in nächten wie diesen daran. Warum? Weil ich immer das Gefühl habe, im Zwischenmenschlichen, dem Bereich, der mir eigentlich am wichtigsten ist, zu scheitern. Ich meine jetzt nicht mal Freundschaften, ich denke, die Menschen, die ich als meine Freunde wähne, haben längst begriffen, dass ich nen Schaden habe und sich damit abgefunden. Ich meine im romantischen Sinne, in Liebesdingen habe ich halt einfach nie was auf die Rehie bekommen, und das stellt einem Fragen, ob man auf dem richtigen Weg ist, oder ob man irgendwann mal eine falsche Abzweigung genommen hat. Wenn ich einfach an alle diese Mädchen denke, bei denen ich nicht mal versucht habe... Das ist das schlimmste: Scheitern durch nicht versuchen. Wenn ich dann an alle denke, bei denen es an irgendetwas gescheitert ist... Ich geb mir viel zu gern die Schuld dafür, manchml jedenfalls. Es ist schon seltsam, irgendwie.
Ich bin gerade selber ein wenig verblüfft, wie offen ich - aus meiner sicht - hier schreibe. Ich muss an das Gespräch zurückdenken, dass ich am Samstagabend mit einem Zuschauer in Werl geführt habe. Ich habe dort versucht zu erklären, dass der Mensch in meinen Texten und dort auf der Bühne viel eher ich ist, als alles, was man so außerhalb von mir erlebt. Vieles bleibt halt in meinem Kopf, und vieles kann ich nicht aussprechen, viel mehr kann ich nicht ordnen, und das gibt mir zu denken, das lässt mich Zweifeln in einer Nacht wie dieser....